Jameda & Co. – einmal anders

Die Rechtsprechung zu Arzt- und Zahnarztbewertungsplattformen ist vielfältig. Des Öfteren haben wir uns bereits damit beschäftigt. Üblicherweise verlangen Betroffene die Löschung einzelner (negativer) Bewertungen oder das ganzen Profils.

Anders bei dem Fall, den das Landgericht München (Urteil vom 16.04.2019 – 33 O 6880/18) zu entscheiden hatte.

Um was ging es?

Der Kläger wollte erreichen, dass die – überwiegend – guten Bewertungen, welche die Plattform begründungslos gelöscht hatte, wieder veröffentlicht werden.

Der Kläger ist Zahnarzt und auf die Behandlung von CMD spezialisiert. Bis zum 28.12.2017 hatte der klagende Zahnarzt auf dem Portal der Beklagten insgesamt 68 Bewertungen und eine Gesamtnote von 1,5 erhalten. Einen Tag nach der Kündigung seines „Premiumpaket Gold“ löschte die Plattform – ohne Ankündigung und Begründung sowie ohne dem Zahnarzt Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben – zehn zugunsten des Zahnarztes abgegebene (überwiegend positive, aber auch einzelne negative) Bewertungen der Arbeit des Zahnarztes aus ihrem Portal. Diese Bewertungen waren bis zu zwei Jahre alt. Nach Meinung des Zahnarztes sah sich die Plattform dem begründeten Verdacht der Willkür ausgesetzt.

Durften die (positiven) Bewertungen gelöscht werden?

Das Gericht wies die Klage ab und gab damit der Bewertungsplattform Recht.

Wie so häufig kam es auch in der vorliegenden Konstellation auf das „Kleingedruckte“ und auf die Frage der Beweislast an.

Der Vertrag mit Jameda

Gegenstand des Vertrags „Premiumpaket“ war ausdrücklich nur die Ausgestaltung des Profils des Zahnarztes auf dem Bewertungsportal der Beklagten, nicht aber die von Dritten im Hinblick auf den Zahnarzt abgegebenen Bewertungen. Die Bewertungsplattform habe, so das Gericht, mit dem Kleingedruckten klar zu verstehen gegeben, dass die Buchung eines Premiumpakets keinerlei Auswirkungen auf den Umgang mit den Bewertungen habe. Der Umgang mit den Bewertungen Dritter wurde daher – der von der Beklagten angestrebten Neutralität ihres Bewertungsportals Rechnung tragend – explizit aus dem Vertragsverhältnis „Premiumpaket Gold“ ausgeklammert. Einen Anspruch auf eine Veröffentlichung sei daraus nicht abzuleiten.

Sonstige Rechtsverletzungen, Beweislast

Auch aus anderen Rechtsgründen (z.B. das „Recht am eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb“ als sonstiges Recht im Sinne des § 823 Abs. 1 BGB) war aus Sicht des Gerichts kein Anspruch auf die (Wieder-)Veröffentlichung abzuleiten.

Der unbestreitbar bestehende zeitliche Zusammenhang zwischen der Kündigung des „Premiumpakets Gold“ durch den Zahnarzt und den Löschungen der Bewertungen allein reiche zum Beleg eines Verstoßes nicht.

Zum einen wurden auch schon vor der Kündigung ab und zu einige positive Bewertungen des Klägers aufgrund eines negativ verlaufenden Prüfverfahrens seitens der Plattform gelöscht. Zum anderen teilte der Zahnarzt selbst mit, dass er bereits seit Herbst 2017 den Verdacht gehegt habe, dass die Beklagte gelegentlich Bewertungen verändere oder lösche, ohne dies mitzuteilen. Einen etwaig bestehenden ersten Anschein, dass die Löschung der Bewertungen eine Reaktion auf die Vertragskündigung des Klägers sein könnte, wurde also durch den Zahnarzt selbst beseitigt.

Es sei (je)der Plattform zudem zuzugestehen, Bewertungen, deren Validität nicht feststeht, im Zweifel zu löschen, vorausgesetzt, die Löschung erfolgt nicht willkürlich, als Sanktion für eine Vertragskündigung des bewerteten Arztes oder zum Zwecke einer ungerechtfertigten Bevorzugung von dessen Mitbewerbern. Letztlich bestünden – im speziellen Fall – keine belastbaren Anhaltspunkte dafür, dass die Löschung der Bewertungen nicht ausschließlich der Qualitätswahrung dienen würden, sondern vielmehr den Zahnarzt sanktionieren sollten. Einen gegenteiligen Beweis konnte der Zahnarzt nicht führen.

Veröffentlicht von

Dr. Ralf Großbölting

Rechtsanwalt, Fachanwalt für Medizinrecht und Justiziar des Bundesverbandes für Ambulantes Operieren

(Zahn)Ärzte mit Ausbildung im Ausland als Lösung des Fachkräftemangels?

Das gesellschaftliche Problem ist allseits bekannt und betrifft auch die (Zahn)Ärzteschaft: Es fehlt an geeignetem Fachpersonal! So erleben auch wir im Beratungsalltag häufiger, dass bestimmte Projekte (Praxisvergrößerung, Gründung MVZ, Nachbesetzung von (Zahn)Arztstellen, etc.) ins Stocken geraten, da es an der erforderlichen „Manpower“ fehlt.

Doch woher geeignetes Personal nehmen, wenn nicht stehlen? Sofern der deutsche Arbeitsmarkt keine Lösung bietet, geht der Blick automatisch über den Tellerrand hinaus ins Ausland.

Auf der Suche nach (Zahn)Ärzten mit Abschluss im Ausland wird man auch vergleichsweise schnell fündig. Es sind bereits viele qualifizierte und motivierte (Zahn)Ärzte nach Deutschland verzogen. Ein „Problem“ teilen die ausländischen Fachkräfte jedenfalls zu Beginn fast alle: Die Erteilung der Approbation.

Dabei müssen (Zahn)Ärzte insbesondere aus sog. „Drittstaaten“ (also insb. außerhalb der EU und des EWR) mehrere Klippen umschiffen, um in den Zielhafen „Approbation“ einlaufen zu können.

Nur um einige der Herausforderungen zu benennen, ist insbesondere auf die Dauer des Verfahrens, die „Eigenarten“ der verschiedenen Behörden sowie die Vorbereitung eines anhand der gesetzlichen Grundlagen sowie der einschlägigen Rechtsprechung vorbereiteten Antrags zu achten.

So sind die Anträge auf Erteilung der Berufserlaubnis und Approbation bestenfalls zeitgleich zu stellen. Ziel muss es sein, das Approbationsverfahren während der (grundsätzlich nur zwei Jahre gültigen) Berufserlaubnis zu erhalten. Abhängig von dem Bundesland sowie dem Erfordernis eines Gutachtens dauert ein Approbationsverfahren nicht selten 1 ½ bis 2 Jahre. Eine entsprechend gute (tatsächliche und rechtliche) Vorbereitung des Antrags ist daher essentiell.

Hat sich z.B. ein Entlastungsassistent mit Berufserlaubnis im Praxisalltag erwiesen, kann dessen Approbationsantrag auch seitens des Arbeitgebers unterstützt werden. So helfen dem Angestellten insbesondere qualifizierte Arbeitszeugnisse.

Zwar ist der Weg zur Approbation alles andere als ein „Selbstläufer“. Doch stellt die Unterstützung junger Fachkräfte mit Ausbildung im Ausland auf dem Weg zur Approbation allemal eine Alternative auf der Suche nach geeignetem Fachkräftenachwuchs dar.

Veröffentlicht von

Dominik Neumaier

Rechtsanwalt

Praxis-Pages auf Facebook: Was ist noch erlaubt?


Der stete technische Wandel und die zahlreichen Möglichkeiten der Digitalisierung bringen nicht nur Vereinfachungen für Ihr berufliches Umfeld mit, sondern werfen auch neue Fragen auf und können sogar erhebliche Risiken bergen. Hiermit möchten wir Sie als Ihr zuverlässiger rechtlicher Begleiter über neueste Entwicklungen im Zusammenhang mit Facebook und anderen digitalen Medien, die Sie eventuell für den Betrieb Ihrer Praxis oder Ihres Labors verwenden, aufklären.

Zahlreiche Praxen oder andere medizinische Versorger betreiben sogenannte „Fan-Pages“, also Seiten für eine bestimmte Person oder ein Unternehmen auf Facebook und ähnlichen sozialen Medien, welche die Praxis vorstellen und für sie werben sollen. Bereits vor dem Inkrafttreten der neuen Datenschutzgrundverordnung Ende Mai diesen Jahres  war dabei umstritten, ob neben dem Unternehmen Facebook selbst auch der Betreiber einer sogenannten „Fan-Page“ für die Verarbeitung der Besucherdaten verantwortlich ist.

Diese Frage wurde nunmehr vom Europäischen Gerichtshof (C-210/16) nach einer sogenannten Vorlage durch das Bundesverwaltungsgericht im Rahmen eines dort anhängigen Verfahrens positiv beantwortet. Die Entscheidung wurde in Fachkreisen mit großem Interesse verfolgt und allgemein als Umbruch im Umgang mit Datenschutz in sozialen Medien und damit verwandten digitalen Medien gesehen.

Doch was bedeutet dies für Sie als Betreiber einer „Praxis Fan-Page“?

Sicher ist zunächst, dass der Betreiber einer solchen Seite nun „Verantwortlicher“ im Sinne der neuen Datenschutzgrundverordnung bezüglich der – eigentlich von Facebook erhobenen – Besucherdaten ist. Sofern die Verwendung der Daten durch Facebook einen Verstoß gegen datenschutzrechtliche Vorschriften darstellt, könnte auch der Betreiber der Seite Adressat von Bußgeldern durch die Aufsichtsbehörden oder Abmahnungen seitens Dritter werden. Dabei hat der Betreiber einer Seite gegenüber Facebook derzeit keine Möglichkeit, die Erhebung und Verwendung der Daten zu steuern.

Ob Facebook durch die eigenen Datenverarbeitungen tatsächlich gegen Datenschutzrecht verstößt, ist allerdings noch nicht festgestellt, allerdings mit Blick auf die bisherige Rechtsprechung sehr wahrscheinlich.

Andererseits muss zum jetzigen Zeitpunkt aber dennoch noch nicht zwingend mit der Verhängung von Bußgeldern oder mit diesbezüglichen Abmahnungen gerechnet werden. Das eigentliche Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht ist immer noch anhängig und eine Entscheidung bleibt abzuwarten.

Gut möglich erscheint, dass die Datenschutzbeauftragten der Länder sich nach jetziger Rechtslage vorrangig an das Unternehmen Facebook-Deutschland wenden müssen, um den Datenschutzverstoß zu beseitigen, anstatt an die einzelnen Seitenbetreiber. Die Verwaltung hat ihr dahingehendes Ermessen so auszuüben, dass das mildeste aller gleich effektiven Mittel gewählt wird, um den Verstoß zu unterbinden. Ein Vorgehen von Facebook scheint uns zumindest deutlich effizienter, als ein Vorgehen gegen alle einzelnen Seitenbetreiber. Ein milderes Mittel könnte auch die Anordnung darstellen, Erhebung und Verwendung der Daten soweit einzuschränken, dass kein Verstoß mehr zu befürchten ist. Auch ein Bußgeld gegenüber dem einzelnen Seitenbetreiber erscheint daher vor der endgültigen Entscheidung durch das Bundesverwaltungsgericht sehr unwahrscheinlich, zumal die Datenschutzbehörden zumindest bisher als fair im Umgang mit der Ahndung potentieller Verstöße bekannt sind.

Ähnlich verhält es sich mit Abmahnversuchen: Solange die Rechtslage ungeklärt ist, besteht für den Mahnenden das Risiko, eine unberechtigte Abmahnung auszusprechen und später wiederum Unterlassungsverfügungen ausgesetzt zu sein.

Das weitere Vorgehen Facebooks bleibt abzuwarten. Dass in Zukunft alle „Fan-Pages“ Geschichte sind, halten wir angesichts der mittlerweile erheblichen wirtschaftlichen Bedeutung dieses Marketing-Instruments für unwahrscheinlich. Dagegen wird eher mit einer Einschränkung der Erhebung und der Weitergabe von Daten seitens Facebooks in der Weise zu rechnen sein, dass insgesamt kein Verstoß mehr gegen datenschutzrechtliche Vorschriften besteht.

Unklar – und letztlich der Grund für die Sprengkraft, die dem Urteil des EuGH zumessen wird – sind die Folgen der Daten-Verantwortlichkeit der Nutzer mit Blick auf andere digitale Instrumente wie etwa Analyse-Tools auf Webseiten oder ähnliche Onlinemarketing-Services. Zu nennen ist hier vor allem der weit verbreitet Dienst „Google-Analytics“. Aber auch die „Google-Fonds“, die auf den meisten Webseiten eingebettet sind, könnten der Entwicklung der Rechtsprechung zum Opfer fallen. Risiken könnten sich auch im Bereich der Messenger, allen voran WhatsApp, mit seinen in den USA gelegenen Servern, ergeben.

Für Sie als „Fan-Page“-Betreiber stellt sich nun vor allem die Frage, ob Sie Ihre Seite sofort abschalten sollten. Hier ist jedoch, wie oben erläutert, das Risiko von Bußgeldern und Abmahnungen eher als gering einzuschätzen.

Letztlich stellt das Betreiben einer „Fan-Page“ als Werbemaßnahme eine unternehmerische Entscheidung dar, die von einer Abwägung ihres Nutzens und der dadurch drohenden Risiken geleitet werden sollte. Im Ersten Schritt dürfte es – zumindest bis zur finalen Entscheidung durch das Bundesverwaltungsgericht – ausreichend sein, jede Fan-Page mit einem eigenen Impressum und einer eigenen Datenschutzerklärung zu versehen.

Ansonsten gilt, dass die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts abzuwarten ist. Bei einer Änderung der Rechtslage werden wir Sie selbstverständlich zuverlässig auf dem neuesten Stand halten.

 

Bildquelle: Thorben Wengert  / pixelio.de

Veröffentlicht von

Björn Papendorf LL.M.

Master of Laws (Medizinrecht), Fachanwalt für Medizinrecht