Neue Richtlinie zum 1.7.2017: Heilmittelverordnungen durch Zahnärzte

Der Gemeinsame Bundesausschuss hat eine Heilmittel-Richtlinie Zahnärzte erarbeitet, die zum 01.07.2017 in Kraft treten soll.

Insbesondere bei krankheitsbedingten strukturellen oder funktionellen Schädigungen des Mund-, Kiefer oder Gesichtsbereichs dürfen Zahnärzte bestimmte Maßnahmen der Physiotherapie, der Physikalischen Therapie oder der Sprech- und Sprachtherapie verordnen.

Heilmittelverordnungen können – so die Richtlinie – im zahnärztlichen Bereich dann notwendig sein, wenn es im Mund-, Kiefer- oder Gesichtsbereich zu Heilungs- oder Funktionsstörungen kommt. Solche Einsatzgebiete sind zum Beispiel Lymphdrainagen zur Ableitung gestauter Gewebeflüssigkeit, Physiotherapie bei Bewegungsstörungen (und auch bei neurologischen Erkrankungen, die Auswirkungen auf den Mund-, Kiefer- oder Gesichtsbereich haben), manuelle Therapie bei Gelenkblockaden und Sprech- oder Sprachtherapie bei Lautbildungsstörungen nach operativen zahnmedizinischen Eingriffen. Falls dies erforderlich ist, können mit zahnärztlich verordneten Heilmitteln nicht nur der Mund- und Kieferbereich selbst, sondern auch die anatomisch direkt angrenzenden oder funktionell unmittelbar mit der Kau- und Kiefermuskulatur in Zusammenhang stehenden Strukturen (Craniomandibuläres System) mitbehandelt werden.

Die neue Richtlinie gliedert sich in zwei Teile. Ein allgemeiner Teil regelt die grundlegenden Voraussetzungen zur Verordnung von Heilmitteln durch Vertragszahnärzte. Der zweite Teil umfasst auf insgesamt 14 Seiten den Heilmittelkatalog. Er ordnet einzelnen medizinischen Indikationen das jeweilige verordnungsfähige Heilmittel zu, beschreibt das Ziel der jeweiligen Therapie und legt die Verordnungsmengen im Regelfall fest. Der Heilmittelkatalog bildet dabei weitgehend diejenigen Heilmittel ab, welche bereits vor Erarbeitung der Erstfassung der Richtlinie aufgrund einer Übereinkunft zwischen der KZBV und den Kassen aus dem Jahr 2002 von Vertragszahnärztinnen und Vertragszahnärzten verordnet werden konnten und somit bereits vor Beschluss über die Erstfassung der Heilmittel-Richtlinie Zahnärzte Bestandteil der vertragszahnärztlichen Versorgung waren.

Der Heilmittelkatalog sieht z.B. bei den Maßnahmen Physiotherapie und der physikalischen Therapie als vertragszahnärztlich verordnungsfähige Indikationen die Craniomandibulären Störungen mit prognostisch kurzzeitigem bis mittelfristigem Behandlungsbedarf (CD1) sowie mit länger andauerndem Behandlungsbedarf (CD2) sowie das chronifzierte Schmerzsyndrom im Zahn-, Mund- und Kieferbereich (CSZ) vor. Weitere Indikationen sind Fehlfunktionen bei angeborenen cranio- und orofazialen Fehlbildungen und Fehlfunktionen bei Störungen des ZNS (ZNSZ) sowie die Lymphabflussstörungen (LYZ 1 bis LYZ 2). Im Rahmen der Maßnahmen der Sprech- und Sprachtherapie werden als vertragszahnärztlich verordnungsfähige Indikationen z.B. die Störungen des Sprechens (SPZ), Störungen des oralen Schluckaktes (SCZ) sowie orofaziale Funktionsstörungen (OFZ) vorgesehen.

Veröffentlicht von

Dr. Ralf Großbölting

Rechtsanwalt, Fachanwalt für Medizinrecht und Justiziar des Bundesverbandes für Ambulantes Operieren

3 thoughts on “Neue Richtlinie zum 1.7.2017: Heilmittelverordnungen durch Zahnärzte”

  1. Toll, eine neue Richtilinie, die es allen schwerer macht, keiner der Zahnärzte weiß davon und am heutigen 08.06.17 ist noch nicht geklärt, ob es am 1.7.17 in Kraft treten wird. Wann gedenken die Ämter, uns zu informieren, den Zahnärzten die Formulare zu schicken oder das ganze wieder abzublasen?? Vorher war es auf jeden Fall für Patienten, Zahnärzte und Physios einfacher und effizienter. In 20 Minuten kann ich keine hochwertige CMD Behandlung mehr machen. Vorher mit KG und MT auf dem Rezept waren es 40 Minuten. Das war machbar. Wir nehmen ab 1.7. auf jeden Fall keine Zahnarztrezepte mit CMD mehr an. Gut gemacht, Krankenkassen!!

  2. Tatsächlich sind hier noch viele Fragen offen und nicht jedem wird die neue Richtlinie schmecken. Sie sollten aber genau prüfen (lassen), ob eine Ablehnung von zahnärztlichen CMD-Rezepten im Gesamtkontext zulässig ist – bei Vertragsärzten wäre das beispielsweise problematisch.

    1. Wie sie sicherlich wissen, ist es im Zusammenhang mit politischen Entscheidungen mit oder von den Krankenkassen und deren Vertretern völlig unerheblich, ob etwas zulässig ist. Es wird einfach so gemacht, weil es so entschieden wurde. Damit leben wir schon, solange es die Heilmittel gibt. Keiner der Therapeuten und Praxen hat die Mittel und die Möglichkeiten, so etwas anzufechten. Wir sind die untersten in der Nahrungskette.
      Tausende von Telefonaten mit Kassen haben mir gezeigt, dass gegen eine so mächtige Gruppe ein Vorgehen unmöglich ist. Wir möchten ja nur die eingereichten Rezepte von der Kasse bezahlt bekommen. Daher lasse ich es nicht darauf ankommen und verwende meine wertvolle Zeit für die Behandlung von Patienten, was ja eigentlich die Aufgabe von Therapeuten sein sollte. Das „für uns kämpfen“ sollten unsere schlafmützigen Verbände übernehmen. Sollten!!!

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