Patientenwunsch rechtfertigt keine Fehlbehandlung

Als (Zahn)Arzt bei Behandlungen gegen medizinische Standards zu verstoßen ist auch nicht auf Grund eines Patientenwunsches gerechtfertigt. Ein gewünschtes behandlungsfehlerhaftes Vorgehen ist durch den (Zahn)Arzt abzulehnen, urteilte das Oberlandesgericht Hamm am 24.04.2016 (Az. 26 U 116/14).

Sollte ein Patient eine Behandlung verlangen, die gegen zahnmedizinische Standards verstößt, muss ein Arzt diese ablehnen. Eine Aufklärung über mögliche Risiken reicht nicht aus, um ein behandlungsfehlerhaftes Vorgehen zu rechtfertigen.

Im konkreten Fall wurde ein Zahnarzt von seiner Patientin wegen eines vermeintlichen Behandlungsfehlers verklagt. Die Patientin war in Behandlung, da sie mit einer von einem anderen Zahnarzt eingesetzten Krone unzufrieden war. Sie wünschte darüber hinaus eine Sanierung der Frontzähne. Der behandelnde Zahnarzt stellte zunächst eine craniomandibuläre Dysfunktion fest. Das durch den Zahnarzt vorgeschlagene Behandlungskonzept, zunächst mit einer Aufbissschiene zu therapieren und anschließend die Frontzähne zu sanieren, wurde von der Patientin abgelehnt. Sie bestand auf der vorrangigen Sanierung der Frontzähne.

In diesem Rahmen wurde die Bisshöhe falsch festgelegt, verbunden mit einer Kompression der Kiefergelenke. Die Klägerin verlangte aufgrund eines Behandlungsfehlers unter anderem 25.000 Euro Schmerzensgeld, den Ersatz von Haushaltsführungsschäden in Höhe von ca. 17.300 Euro, sowie die Rückzahlung des an den Beklagten gezahlten Zahnarzthonorars von ca. 3.750 Euro.

Nach Auffassung des OLG Hamm kann sich der Zahnarzt nicht darauf berufen, dass die Patientin die vorzeitige Behandlung der Frontzähne ausdrücklich verlangt habe. Da die Behandlung gegen den medizinischen Standard verstoße, hätte sie vom Zahnarzt abgelehnt werden müssen. Auch eine eingehende zahnärztliche Belehrung über die möglichen Behandlungsfolgen ändere nichts daran.

Zusammenfassend gilt: Vorsicht walten lassen bei Wunschbehandlungen.

kwm rechtsanwälte – Dr. Ralf Großbölting

Veröffentlicht von

Dr. Ralf Großbölting

Rechtsanwalt, Fachanwalt für Medizinrecht und Justiziar des Bundesverbandes für Ambulantes Operieren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.